Replik auf Steffen Kern

von Daniel von Wachter
27. Juni 2020

Der Pfarrer und Journalist Steffen Kern hält mir in seinem Artikel „Das Virus der Verwirrung und der Segen von Corona“ (in der Zeitschrift Gemeinschaft 7; Bericht in idea), entgegen, daß ich die Bibel „für ideologische Agitation“ mißbrauche, „menschliche Phantasien und Verschwörungstheorien als geistliche Einsicht“ verkaufe und Gemeinden verwirre. Gerne nehme ich dazu Stellung.

In den betreffenden Artikeln (siehe von-wachter.de/cov/) vertrete ich folgende These, die ich NBG (nicht besonders gefährlich) nenne: „Das Neue Coronavirus ist nicht besonders gefährlich, und selbst wenn es gefährlich wäre, wären der Lockdown und das Social Distancing nicht die richtigen Maßnahmen, um die Todeszahlen zu verringern.“ Darauf aufbauend stelle ich dar, was angesichts der Coronakrise meiner Meinung nach zu tun ist, wobei ich auf Epheser 6 (Waffenrüstung Gottes) und Offenbarung 13 (die Vision der zwei Tiere) hinweise.

Kerns Artikel ist ein Musterbeispiel dessen, was ich als „Polemik gegen ‚Verschwörungstheorien‘“ bezeichnet habe. Nach einigen abwertenden Bemerkungen wie „Er ist weithin unbekannt, heißt Daniel von Wachter und führt zwei Doktortitel“ und „er zitiert Offenbarung 13 und faselt von einer ‚Weltregierung‘, die ‚den Menschen Chips einsetzen‘ wolle“ führt Kern aus, daß meine Texte „die Muster klassischer Populisten und extremer Verschwörungstheoretiker“ bedienten.

In zwei Artikeln habe ich erläutert, wie die in den staatlichen und regierungsnahen Medien derzeit verbreitete Polemik gegen „Verschwörungstheorien“ funktioniert. Die als „Verschwörungstheorien“ bezeichneten Auffassungen werden als selbstverständlich falsch und die dagegen stehende Position der Regierung als selbstverständlich und offensichtlich wahr hingestellt. Das Vorbringen von Argumenten würde das Als-selbstverständlich-Hinstellen stören, weil es signalisieren würde, daß es da etwas zu diskutieren gibt. Es würde das Nachdenken anregen. Statt dessen wird das Muster von Verschwörungstheorien beschrieben – genau so, wie Kerns Artikel das unter der Überschrift „Das Muster solcher Verlautbarungen ist immer dasselbe“ tut.

Tatsächlich erfüllen meine Texte die drei von Kern genannten Merkmale einer Verschwörungstheorie, wenn man von Kerns abwertenden Ton absieht. Und Kerns Artikel erfüllt das Muster der Polemik gegen Verschwörungstheorien. Ein Muster ist an sich gar kein Hinweis auf einen Fehler. Der Fehler an der Polemik gegen Verschwörungstheorien und an Kerns Artikel ist die Abwesenheit von Argumenten, d.h. von Verweisen auf Indizien. Es gibt wahre und falsche Verschwörungstheorien. Daß meine Thesen eine Verschwörungstheorie seien, ist kein Argument gegen ihre Wahrheit.

Das erste von Kern genannte Merkmal ist: „Die Mehrheit der Gesellschaft gilt als fehlgeleitet: Der Mainstream ist böse.“ Ja, das stimmt, ich habe die oben genannte These NBG aufgestellt und damit behauptet, daß die Regierung und die regierungsnahen Medien die Unwahrheit über das Coronavirus sagen. Meine Texte haben also dieses von Kern angeführte Merkmal einer Verschwörungstheorie. Spricht das gegen ihre Wahrheit? Natürlich nicht. Meine These habe ich ausführlich begründet, in einem langen philosophischen Aufsatz und mehreren kürzeren allgemeinverständlichen Artikeln.

Das zweite von Kern genannte Merkmal: „Das Selbstbewusstsein als quasi Auserwählte: Es gibt nur eine kleine Zahl von Menschen, die all das durchschauen und wahre Erkenntnis haben. Zu ihnen gehören die Autoren selbst und ihre Anhänger.“ – Wenn man etwas aussagt, dann sagt man es (wenn man nicht lügt), weil man es für wahr hält. Das ist ganz richtig so und gilt übrigens auch für Kern. NBG wird von vielen Wissenschaftlern und anderen vertreten, wie man auf www.von-wachter.de/cov/ nachlesen kann, nur eben nicht von der Regierung, von den regierungsnahen Medien und von denjenigen wenigen Wissenschaftlern, mit denen die Regierung arbeitet. Kern fährt fort: „Jede Kritik an ihnen bestätigt nur, dass sie Recht haben. Ein solches Selbstverständnis trägt schon sektenhafte Züge.“ Hier bezieht sich Kern wohl auf meine Aussage: Wenn jemand eine andere Auffassung als „Verschwörungstheorie“ bezeichnet, weist das darauf hin, daß er keine Argumente hat.

Das dritte von Kern genannte Merkmal: „Sie selbst nehmen sich als ausgegrenzt wahr, inszenieren sich als Opfer. Widersprüche in den eigenen Aussagen werden nicht erkannt. So wird etwa stets beklagt, ihre alternativen Positionen kämen in den Medien nicht vor – zugleich haben sie Tausende, teilweise millionenfache Zugriffe auf verschiedenen Internetplattformen.“ Ja, im Internet haben die kritischen Stimmen große Verbreitung, aber in den staatlichen Medien kommen die vielen die Coronapolitik der Regierung kritisierenden Wissenschaftler nicht zu Wort. Die bekanntesten unter ihnen, insbesondere Prof. Sucharit Bhakdi und Dr. Wolfgang Wodarg, werden von Journalisten, die keine wissenschaftliche Kompetenz haben, in sogenannten „Faktenchecks“ als Außenseiter und Verschwörungstheoretiker dargestellt.

Wo sind in Kerns Artikel Argumente gegen NBG oder gegen meine Aussagen darüber, was zu tun ist? Was trägt Kern vor, was ein rationaler Grund dafür wäre, Kerns Sicht, also die Darstellung der Regierung, anzunehmen? Da ist kein Argument, nicht einmal ein schlechtes. Kern macht genau das, was ich kritisiere: er glaubt blind der Regierung. Blind, weil er nicht die Indizien prüft und nicht nachdenkt.

Positiv gesagt: Hinterfragen Sie die vom Staat und von der Regierung verbreiteten Aussagen über das Coronavirus. Und wenn Sie, wie ich und viele andere Wissenschaftler, zu dem Ergebnis kommen, daß da etwas nicht stimmt, dann lesen Sie Epheser 6 und Offenbarung 13 und überlegen Sie, was zu tun ist.



[Prof. Dr. Dr. Daniel von Wachter lehrt an der Internationalen Akademie für Philosophie im Fürstentum Liechtenstein. Er forscht über Religionsphilosophie, Kausalität, Naturgesetze und Willensfreiheit. www.von-wachter.de]